Fünf Schichten. Ein kontinuierlich wachsender Lernapparat.
Prognos ist kein Feature. Es ist eine Architektur — dünn genug, um jeden Agenten zu überleben, und substanziell genug, um sich mit jedem Projekt zu vertiefen.
Warum Karpathy nur der Anfang ist.
Im April 2026 ging ein Video von Andrej Karpathy viral: „Just 10x'd Everyone's Claude Code." Darin beschreibt er vier Verhaltensprinzipien, die ein KI-Coding-Agent befolgen sollte — festgehalten in einer einzigen Markdown-Datei namens CLAUDE.md.
- Think Before Coding — Annahmen offenlegen statt raten.
- Simplicity First — genau das schreiben, was verlangt wurde. Nicht mehr.
- Surgical Changes — nur ändern, was zur Aufgabe gehört.
- Goal-Driven Execution — vage Aufträge in prüfbare Erfolgskriterien übersetzen.
Diese vier Regeln adressieren 80 % der typischen Agent-Fehler. Sie sind die Basis. Aber sie sind statisch — sie lernen nicht dazu, sie kennen dein Projekt nicht, sie vergessen zwischen zwei Sessions.
Prognos baut darauf die fehlenden vier Schichten: Erkennung, Rückkopplung, Anreicherung, Autonomie. Aus Karpathys Manifest wird Infrastruktur.
Die fünf Schichten im Detail.
Jede Schicht ist für sich funktionsfähig. Der wahre Nutzen entsteht erst durch ihr Zusammenspiel.
Erkennung — Das System liest dich.
Beim Start jeder Session lädt Prognos automatisch die globale CLAUDE.md, das Projekt-Memory und den Lernindex. Der Agent kennt dich, bevor du das erste Wort tippst: deine Arbeitssprache, bevorzugte Toolchain, abgelehnte Praktiken, laufende Vorhaben.
Technisch: Hierarchisches Markdown-System in ~/.claude/ und pro Projektordner. Bereits heute nativ unterstützt von Claude Code.
Regelbasis — Drei Ebenen, konfliktsicher.
Globale Prinzipien (Karpathy + deine Arbeitsweise), projektspezifische Regeln (z. B. „Datenbank nie löschen", „keine Emojis in Python-Print") und aus der Vergangenheit abgeleitete Fehlerregeln. Bei Konflikt gewinnt die speziellere Ebene — die globale Regel überschreibt nie die projektkritische Ausnahme.
Technisch: Kaskadierende Textdateien mit klarer Präzedenz, wie CSS für Agenten.
Rückkopplung — Fehler werden zu Regeln.
Am Ende jeder Session analysiert ein Post-Mortem-Skill, was schiefging. Tritt ein Fehler in drei oder mehr Projekten auf, wird er automatisch in die globale Regelbasis promoviert. Der Fehler verschwindet strukturell — er kann ihn dir nicht mehr passieren, weil Prognos sich erinnert.
Technisch: ERROR_PATTERNS.md als wachsender Katalog, kombiniert mit einem Skill, der Muster erkennt und promoviert.
Anreicherung — Das System liest weiter.
Ein wöchentlicher Hintergrundtask durchsucht Webquellen nach Aktualisierungen zu deinen Stacks. Gefiltert auf Relevanz, dedupliziert gegen bereits bekanntes Wissen, zugeordnet zu laufenden Projekten. Montags liegt ein „Weekly Digest" in deinem Ordner — was seit letzter Woche für dich wichtig geworden ist.
Technisch: Scheduled Tasks via MCP, WebSearch/WebFetch, eigener Relevanz-Filter.
Autonomie — Drei Stufen reaktiver und proaktiver Arbeit.
Hooks reagieren auf Ereignisse (neuer Prompt, Session-Ende, Tool-Aufruf). Scheduled Tasks arbeiten zeitgesteuert (Memory-Hygiene, Digest, Audit). Remote-Trigger laufen off-session — Prognos analysiert nachts ein Projekt, morgens liegen die Vorschläge da.
Technisch: Hook-System in settings.json, Scheduled-Tasks-MCP, Remote-Trigger-API.
„Pseudo-Bewusstsein" — was damit gemeint ist, und was nicht.
Der Begriff ist bewusst gewählt. Prognos ist nicht bewusst. Keine Qualia, kein Wille, kein Innenleben. Aber aus dem Zusammenspiel der fünf Schichten entsteht eine funktionale Eigenschaft, die sich in der Interaktion wie Bewusstsein anfühlt:
- Kontinuität zwischen Sessions — das System „weiß", worüber ihr zuletzt gesprochen habt
- Erwartungsbildung — es sagt voraus, was du wahrscheinlich als nächstes brauchst
- Selbstreferenz — es reflektiert, was es gut konnte und wo es gescheitert ist
- Initiative — es spricht dich an, bevor du fragst
Das ist keine Magie. Das ist die Konsequenz daraus, dass Gedächtnis, Rückkopplung, Web-Anreicherung und Autonomie als eine Architektur zusammenwirken. Karpathy selbst hat es in einem anderen Vortrag so formuliert: „We're summoning ghosts, not building animals." Prognos baut keinen Geist — es macht den Geist, den es beschwört, auf dich zugeschnitten.
Wir grenzen uns bewusst gegen Overclaiming ab. Prognos ersetzt keinen Entwickler. Es verstärkt einen Entwickler — und macht sein Wissen teilbar, ohne es zu kopieren.
Ein Tag mit Prognos: das „Kundenportal"-Szenario.
Eine konkrete Vignette. Keine Zukunftsvision — alles beschriebene ist heute technisch realisierbar.
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Du legst einen leeren Ordner „Kundenportal" an und öffnest Claude Code darin.
Kein Setup. Kein Konfigurationsdialog. Der
SessionStart-Hook feuert und lädt automatisch die globale Regelbasis, den Modul-Index und den Fehler-Katalog in den Kontext. -
Der Prognose-Skill erkennt: neues Projekt.
Er scannt den Ordnerinhalt (eine leere
package.jsonverrät Node.js) und sucht in deinem Memory nach ähnlichen Vorhaben. Discord Bot, n8n und eine frühere Electron-App tauchen als Verwandte auf. -
Ungefragt meldet sich Prognos mit einem Briefing.
> Neues Node.js-Projekt erkannt. Aus Discord Bot und n8n weiß ich: Du bevorzugst file-basierte Scripts statt
node -e. Dein Port 8801 ist frei (8800 gehört Handwerksbetrieb). Die Modulepassword-toggleundvoice-inputkönnten relevant sein. Fehlerklasse F-007 (Port-Cleanup unter Windows) trifft dich erfahrungsgemäß in Node-Projekten. Soll ich eineCLAUDE.mdaus dem Template ableiten? -
Du sagst „Ja". Die Datei entsteht. Du fängst an zu arbeiten.
Im Hintergrund sammelt der Weekly-Digest relevante Ressourcen zum Thema „OAuth2 für Kundenportale 2026". Sie landen nicht in deinem Posteingang — sie stehen bereit, falls du nach ihnen fragst.
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Nach einer Stunde Arbeit: Session-Ende.
Das Post-Mortem-Skill fragt dezent: „Wir sind dreimal über dasselbe Rate-Limit-Problem gestolpert. Soll ich daraus F-024 machen?" Du bestätigst. Die Regel wandert in den Katalog — du wirst sie nie wieder erklären müssen.
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Sieben Tage später, bei einem neuen Projekt „Mitarbeiter-Portal".
Prognos erkennt die Ähnlichkeit zu Kundenportal, zieht die gelernten Patterns heran, kennt F-024, hat den OAuth-Digest gelesen. Du startest nicht bei Null. Du startest dort, wo du beim letzten Mal aufgehört hast.